Dichterpaar
Brückner-Kühner

Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner (beide 1921-1996) sind nicht nur Stifter und für das literarische Profil der Region Nordhessen/Kassel von großer Wichtigkeit, sie stellen in der Geschichte schreibender Paare auch eine Ausnahmeerscheinung dar.

Kulturen des Komischen

Humor, der Komisches künstlerisch ausgezeichnet hervorbringt, ist einer der drei Gegenstandsbereiche der Stiftung Brückner-Kühner, die zusammen mit der Stadt Kassel seit 1985 jährlich den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor vergibt.

Sprachkunst

Bestimmte Formen von Literatur und Sprachkunst sind wichtig, ohne dass sie vom breiten Geschmack profitieren könnten. Daher haben sie Unterstützung besonders nötig. Das betrifft insbesondere innovative Formen der zeitgenössischen Dichtung, für die sich die Stiftung Brückner-Kühner einsetzt.

Preisträger

Helge Schneider (2022)

Der große Komiker und vielseitige Künstler Helge Schneider erhält im Jahr 2022 den „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ für sein literarisches und sprachkünstlerisches Werk. Der Preis ehrt Helge Schneider für seinen radikalen, anarchischen, grotesken, immer existenziellen Humor und die dadurch vermittelte Freiheit.

Felicitas Hoppe (2021)

Die Schriftstellerin Felicitas Hoppe wird im Jahr 2021 mit dem „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ ausgezeichnet. Der Preis ehrt die Autorin für ihren feinen Humor, der als Haltung zur Welt und Quelle der Einbildungskraft ihrem einzigartigen Werk zugrunde liegt.

Anaïs Meier (2022)

Die schweizerische Schriftstellerin Anaïs Meier, Jahrgang 1984, erhält im Jahr 2022 den Förderpreis Komische Literatur. Knapp 30 Verlage hatten Vorschläge eingereicht.

Lukas Linder (2021)

Der Dramatiker und Romanautor Lukas Linder aus der Schweiz wird im Jahr 2021 mit dem Förderpreis Komische Literatur ausgezeichnet, vergeben von Stadt Kassel und Stiftung Brückner-Kühner.

Aktuell

Offenes Dichterhaus am 3. Oktober 2022

Foto: Ivan Fíla

Am Montag, dem 3. Oktober, ist das Dichterhaus Brückner-Kühner in der Zeit von 15 bis 18 Uhr ohne Voranmeldung geöffnet. Mitglieder des Freundeskreises Brückner-Kühner betreuen die Besucher und geben Einblicke in Leben und Wirken des Schriftstellerpaares Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner.

Darüber hinaus kann ein Besuch des Dichterhauses, verbunden mit einer Führung, wie bisher jederzeit per Telefon oder E-Mail verabredet werden.

Das Dichterhaus Brückner-Kühner liegt in der Gartenstadt Auefeld und war seit Mitte der sechziger Jahre der Wohn-, Lebens- und Arbeitsmittelpunkt des Schriftstellerpaares Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner (beide 1921–1996). Bis zu ihrem Tod lebten und arbeiteten die beiden Dichter in diesem bescheidenen Häuschen. Hier entstanden die Poenichen-Romane der Kasseler Ehrenbürgerin wie auch die humoristische Prosa und Lyrik ihres Mannes. Die Wohnräume sind weitgehend unverändert geblieben und wirken, auch durch Christine Brückners Beschreibungen, als authentischer Ort des literarischen Lebens in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Die ukrainische Autorin Victoria Feshchuk im Dichterhaus

Foto Victoria Feshchuk

Victoria Feshchuk | Foto: Maria Rey

Victoria Feshchuk aus der ukrainischen Hauptstadt Kyiv lebt seit Mitte Juli im Dichterhaus Brückner-Kühner. Der Stipendienaufenthalt erfolgt im Rahmen des Programms „Hafen der Zuflucht Hessen“, das von dem in Gießen ansässigen Verein Gefangenes Wort in Kooperation mit der Stiftung Brückner-Kühner organisiert und vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst finanziert wird. Vermittelt wurde die Autorin durch Artists at Risk und das Goethe-Institut.

Im Dichterhaus arbeitet die 26-Jährige an Kurzgeschichten, Essays, Gedichten und Übersetzungen. Sie steht dabei in ständigem Austausch mit ihren ukrainischen Kolleginnen und Kollegen: Eines ihrer wesentlichen Interessen während ihres Aufenthalts besteht darin, die ukrainische Literatur und Kultur hierzulande und international sichtbarer zu machen. Ein wichtiges Medium dafür ist die Online-Plattform Chytomo, die Beiträge auf Englisch und Ukrainisch veröffentlicht und für die Victoria Feshchuk als Redakteurin und Kuratorin tätig ist. Die Plattform wird von der gleichnamigen Initiative zur Unterstützung ukrainischer und osteuropäische Kulturprojekte unterhalten.

Für Chytomo entstand auch ein kleiner Essay von Victoria Feshchuck, dessen deutsche Übersetzung hier zu lesen ist. Er handelt von ihrem Aufenthalt im Dichterhaus, wo der Krieg zugleich nah und fern ist, und insbesondere von einem Langgedicht: Beginnend mit dem 24. Februar, dem Beginn der russischen Invasion, hat sie täglich drei Zeilen verfasst, in die ihre Erfahrungen mit dem Krieg einfließen. Am 24. August, dem Feiertag anlässlich der Unabhängigkeit der Ukraine, fand das Gedicht seinen Abschluss.

Victoria Feshchuk studierte Ukrainische Sprache und Literatur sowie Fremdsprachen, sodann Literatur- und Kunstwissenschaft an der Taras Shevchenko National-Universität in Kyiv und absolvierte dann ein Erweiterungsstudium der Ukrainischen Literatur und Kultur an der Jagielloński Universität in Kraków, Polen. Stipendienaufenthalte führten sie nach Palermo (2018) und ins polnische Przemyśl (2022). Sie spricht neben ihrer Muttersprache fließend Englisch, Polnisch und Russisch. Während ihres Stipendienaufenthalts möchte sie die deutsche Sprache erlernen. Ihre Gedichte, die sie in Print- und Online-Sammlungen veröffentlicht hat, wurden ins Deutsche, Englische und Polnische übertragen. Sie bereitet eine illustrierte Veröffentlichung des erwähnten Langgedichts in einer ukrainischen und einer deutschen Fassung vor.

Hier geht es zu ihrem Essay „Ein Tür-Gedicht“ >>>

Preisverleihung an Helge Schneider und Anaïs Meier

Nachdem die Preisverleihung pandemiebedingt im Februar verschoben werden musste, war es endlich soweit: Am 1. September wurden im Kasseler Rathaus der Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor an Helge Schneider und der Förderpreis Komische Literatur an Anaïs Meier vergeben. Das Kulturradio des Hessischen Rundfunks hr2-kultur hat einen Mitschnitt in Auszügen gesendet.

Die Autorin Anaïs Meier aus Zürich hatte sich bei der Ausschreibung gegen große Konkurrenz durchgesetzt. Vorgeschlagen wurde sie von ihrem Verlag Voland & Quist. Dessen Leiter Leif Greinus pries das Werk der Ausgezeichneten: „Anaïs Meier schafft es, mit ihren Werken die Welt ein Stück besser zu machen, und wir, die wir ihre zukünftigen Bücher lesen dürfen, werden unendlich Spaß haben.“ Die Autorin bedankte sich mit einer Kostprobe aus ihrem Debütroman „Mit einem Fuss draussen“.

Erstmals in der Geschichte des Preises wurde ein Preisträger von seiner Vorgängerin gelobt: Felicitas Hoppe, die 2021 den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor erhalten hatte, hielt die Laudatio auf Helge Schneider, obwohl dieser, wie sie eingangs hervorhob „unlaudierbar“ sei. Jedenfalls aber sei er jemand, der das Missvergnügen der Welt ohne jedes Konzept in Nahrung verwandelt: „Trost durch Freiheit. Spass und ein Glas. Cola mit Fanta gemischt, virtuose Gnade und künstlerische Barmherzigkeit. In anderen Worten: Känguruhsalat.“ Daher hatte die Laudatorin fürs Publikum auch Trostblättchen dabei, in der Schweiz so genannte ‚Helgelis‘, mit einem Zitat Helge Schneiders: „Und der Mond lächelt der Erde zu“.

Der Preisträger erzählte in seiner Entgegnung von der abenteuerlichen Fahrt über Land nach Kassel und gab Einblick in sein jüngstes Buchprojekt, an dem er seit vier Jahren arbeitet: Das bislang aus einer knappen Seite bestehende Manuskript hatte Helge Schneider dabei und gab es, begleitet von elektronischen Klängen, zum Besten.

Musikalisch gerahmt wurde der Abend von der Posaunen-Jazzquartett „Kasseler Slide Connection“, das auch ein Helge-Medley im Gepäck hatte.

Einige Eindrücke von der festlichen Verleihung (Fotos: Anja Köhne):

Ab 12.7.: Ivan Fíla „schonzone“

Ivan Fíla

„schonzone“
Kassel-Impressionen in Schwarz-Weiß

Rathaus Kassel / 12. Juli – 4. Oktober 2022
Seitenhalle, 1. Stock.

12. Juli 2022, 18 Uhr Eröffnung

Begrüßung: Oberbürgermeister Christian Geselle
Grußwort: Madelyn Rittner, Hessiscer Literaturrat
Lesung und Gespräch: Ivan Fíla
Moderation: Friedrich W. Block, Stiftung Brückner-Kühner

Öffnungszeiten: Mo. bis Do., 9 bis 17 Uhr, Fr., 9 bis 15 Uhr

Der tschechische Regisseur, Drehbuchautor, Fotograf und Schriftsteller Ivan Fíla war im November 2021 als Stipendiat des Hessischen Literaturrats zu Gast im Dichterhaus Brückner-Kühner. In dieser Zeit hat er nicht nur intensiv am Schreibtisch gearbeitet, sondern auch viel in Kassel fotografiert. Eine Auswahl dieser Fotografien ist ab 12. Juli im Rathaus zu sehen. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen entstanden an mehr oder auch weniger bekannten Orten Kassels, häufig mit Blick in den Himmel. Gelegentlich porträtieren sie auch Menschen. Der städtische Raum als „Schonzone“: das ist ein Begriff, den Ivan Fíla von der Schriftstellerin Christine Brückner entliehen hat, in deren Haus er einige Wochen gewohnt und gearbeitet hat.

Zur Eröffnung der Ausstellung las Ivan Fíla aus neuen, ins Deutsche übertragenen Texten, auch solchen, die in Kassel entstanden sind. Dazu sprach er mit Friedrich Block über Erlebnisse und Erfahrungen aus seinem spannenden, vielseitigen künstlerischen Leben.

Veranstaltet von: Stiftung Brückner-Kühner / Stadt Kassel / Hessischer Literaturrat

Neuer Aufruf zu ungehaltenen Reden ungehaltener Frauen

Die Stiftung Brückner-Kühner und der S. Fischer Theaterverlag haben auf ein Neues zu „Ungehaltenen Reden ungehaltener Frauen“ aufgerufen:

„Wir laden alle Frauen ein, sich mit einer ungehaltenen Rede zu bewerben, um als eine von sechs Rednerinnen am 10. Dezember 2022, dem Tag der Menschenrechte, das Wort zu ergreifen. Die Reden werden im Kasseler Rathaus vor Publikum gehalten und vom Kulturradio des Hessischen Rundfunks aufgezeichnet und gesendet.“

Bis zum 31. Juli 2022 konnten Reden im Videoformat auf ungehalten.net eingereicht werden. Die Jury hat nun ihre Arbeit aufgenommen, was sich bis in den Oktober hinziehen wird. Auf dieser Online-Plattform des Projekts findet sich auch  eine große Anzahl von Reden aus dem Jahr 2021. Die Projektidee geht auf das Christine Brückners Buch „Wenn du geredet hättest, Desdemona. Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen zurück“ zurück.

Buch: Neue ungehaltene Reden ungehaltener Frauen

Im S. Fischer-Verlag ist eine Ausgabe der „Neuen Rundschau“ mit 19 „Neuen ungehaltenen Reden ungehaltener Frauen“ erschienen. 16 dieser Reden entstanden im Rahmen des Projekts „Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen“. Gesucht waren Reden von gesellschaftlicher und persönlicher Bedeutung, 119 Frauen haben sich beteiligt, sechs von ihnen ausgewählt, um im Kasseler Rathaus gehalten zu werden. Die Neue Rundschau versammelt die Texte dieser ungehaltenen Rednerinnen sowie eine Auswahl weiterer, bemerkenswerter Reden. Als ‚Bonus‘ gibt es zudem drei Reden, die von Nora Gomringer, Stefanie Sargnagel und Katja Lange-Müller auf dem Kasseler Komik-Kolloquium 2020 gehalten wurden. Die erste Auflage ist bereits vergriffen.

Neue ungehaltene Reden am Berliner Ensemble

Im letzten Jahr starteteten wir gemeinsam mit dem S. Fischer Theaterverlag das Projekt Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen. Von den 119 eingereichten Reden hat das Berliner Ensemble nun fünf ausgewählt und in der Regie von Simon Klösener auf die Bühne gebracht. Premiere war am 6. März 2022. Die Schauspielerinnen Nina Bruns und Konstanze Becker sprechen Reden von Selma Matter, Miriam Miedler, Hannah Perleth, Marie-Alice Schultz und Paula Thielecke. Radio Berlin-Brandenburg hat die Inszenierung besprochen.

„Deine Bilder – Meine Worte“: Dokumentation

Cover Deine BilderIm Rahmen des Jubiliämsprogramms „100 Jahre Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner“ organisierte der Freundeskreis Brückner-Kühner die Ausstellung  „Deine Bilder – Meine Worte“: Gezeigt wurden erstmals in größerem Umfang Gemälde des Schriftstellers Otto Heinrich Kühner. Gegliedert in verschiedene thematische Kabinette waren den Bildern Zitate aus dem Werk von Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner zugeordnet. Die vor kurzem erschienene Dokumentation versammelt Abbildungen der ausgestellten Bilder sowie die zugehörigen Texte in Kapiteln, die den Ausstellungskabinetten entsprechen. Die von den Kuratorinnen Elke Böker, Renate Fricke und Erika Mohs besorgte Dokumentation hat 70 Seiten und kostet 10 Euro (für Mitglieder des Freundeskreises 5 Euro). Zu beziehen im Dichterhaus Brückner-Kühner sowie über den Freundeskreis.

Zum Tod von Herbert Achternbusch

Wir trauern um Herbert Achternbusch, radikal-humoristischer Universalkünstler und im Jahr 2010 mit dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor ausgezeichnet. In der Begründung des Stiftungsrates hieß unter anderem: „Vernunftzwängen begegnet Herbert Achternbusch mit Phantasie, offiziöser Verordnung mit Provokation, kulturellem Anpassungsdruck mit Ohrfeigen für den herrschenden Geschmack. Über das Lustige hinaus wird bei ihm das Komische, auch wo es absurd, verzweifelt oder gegen sich selbst gerichtet scheint, zu einem Refugium von Einbildungskraft, Bewusstheit und Menschlichkeit.“ Der Kasseler Kunsttempel zeigte die Ausstellung „entlich“ mit großen Schrift-Bild-Aquarellen des Künstlers. Auf der Wand war eines seiner Koans zu lesen, das Karl Valentin nicht hätte besser formulieren können und das heute wie seinerzeit ungemein gut passt:
„Schön wär’s, wenn’s schöner wär.“

Anaïs Meier erhält den Förderpreis Komische Literatur 2022

Die schweizerische Schriftstellerin Anaïs Meier, Jahrgang 1984, erhält im Jahr 2022 den Förderpreis Komische Literatur. Die mit 3000 Euro dotierte Auszeichnung wird auf Vorschlag von Verlagen durch die Stadt Kassel und die Stiftung Brückner-Kühner verliehen. Der Verlag Voland & Quist brachte seine Autorin ein und sorgte beim Stiftungsrat damit für einhellige Begeisterung. Der Förderpreis wird gemeinsam mit dem Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor vergeben, der, wie bereits gemeldet, für das Jahr 2022 Helge Schneider zugesprochen wurde.
Weitere Information gibt es >>> hier.

Dichterhaus Brückner-Kühner

 

Öffnungszeiten:

jeden 1. Montag im Monat, 15 bis 18 Uhr.

Führungen:

wochentags nach Terminabsprache.

Eintritt:

Der Besuch (inklusive Führung) kostet 5 Euro.

Anmeldungen

bitte telefonisch über 0561/24304 oder per Email an post[at]brueckner-kuehner.de.

Das ist der erste Titel

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Das ist der zweite Titel

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