Veranstaltung am Donnerstag, 10. Dezember 2026, 17 Uhr, im Kasseler Rathaus

Im Jahr 2026 haben insgesamt 111 Frauen eine ungehaltene Rede eingereicht. Die Themen sind wie in den vergangenen Jahren breitgefächert, feministisch, motiviert, verstörend, utopisch und klug und zeigen in ihrer Vielfalt, was mutige Frauen aus einem breiten gesellschaftlichen Spektrum und im Alter zwischen 18 und 82 bewegt. Besonders laut aber ist in diesem Jahr die Empörung und das Aufgebehren gegen strukturelle Benachteiligung und Gewalt gegen Frauen.
Die Jury hat mehrfach getagt und lange darum gerungen, wer – stellvertretend für alle anderen – ins Kasseler Rathaus eingeladen wird. Dies sind in diesem Jahr:
Flurina Gutmann, Biel/Bienne, Schweiz
Terhas Andezion, Kassel
Maya Daniel, Hamburg
Britta Gahr, Düsseldorf
Cornelia Koepsell, Scharnebeck
Johanna Heggemann, Heidelberg






Die Stiftung Brückner-Kühner und der Verlag S. Fischer Theater und Medien haben Frauen im deutschsprachigen Raum nunmehr zum sechsten Mal eingeladen, sich mit einer ungehaltenen Rede zu bewerben, um als eine von sechs Rednerinnen am 10. Dezember 2026 – Tag der Menschenrechte und Geburtstag der Schriftstellerin Christine Brückner – das Wort ergreifen zu können. Die Reden werden im Kasseler Rathaus vor Publikum gehalten und vom Hessischen Rundfunk aufgezeichnet und gesendet. Im Verlag S. Fischer erscheint eine Anthologie mit einer Auswahl von 25 ungehaltenen Reden. Auf der Plattform „ungehalten.net“ wird zudem ein Großteil, inzwischen mehr als 400, der eingereichten Reden präsentiert.
Die neuen ungehaltenen Reden sind Lektüre an Universitäten
Bereits zum zweiten Mal bietet Autorin und Dozentin Nancy Hünger im Wintersemester ein Seminar zu den „Ungehaltenen Reden ungehaltener Frauen“ an der Erhard Karls Universität in Tübingen an. Die Studierenden setzen sich mit den bisher veröffentlichten ungehaltenen Reden auseinander und schauen sich ebenso Wenn du geredet hättest, Desdemona! Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen von Christine Brückner an. Im Frühjahr veranstalteten Hüngers Studierende eine eigene Veranstaltung zu den im Seminar entstandenen ungehaltenen Reden im Rahmen der Kulturnacht Tübingen.
Bereits im Jahr 2022 inszenierte das Berliner Ensemble Ausschnitte aus den Neuen ungehaltenen Reden ungehaltener Frauen. Am 16. Januar 2027 feiert das Schauspielprojekt „Ich bin Viele!“, basierend auf den neuen ungehaltenen Reden, am Rheinischen Landestheater Neuss Premiere: https://www.rheinisches-landestheater.de/produktionen/ich-bin-viele.html
Das Rheinische hat sich zum Ziel gesetzt, auf einige der ungehaltenen Reden zu reagieren, und setzt jedes Jahr mit einer Regieausschreibung nur für Frauen einen deutlichen Impuls im männlich dominierten Haifischbecken im Kampf um die Regiejobs auf den deutschen Theaterspielplänen.
Das Projekt wird im Jahr 2026 freundlich vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Kulturamt der Stadt Kassel gefördert.
Zum Hintergrund
„Wir laden alle Frauen ein, sich mit einer ungehaltenen Rede zu bewerben, um als eine von sechs Rednerinnen am 10. Dezember 2026, dem Tag der Menschenrechte, das Wort ergreifen zu können. Die Reden werden im Kasseler Rathaus vor Publikum gehalten und vom Hessischen Rundfunk aufgezeichnet und gesendet.“
Dieser Aufruf richtete sich an jede Frau, die etwas zu sagen hat. Die Reden sollten deutsch-sprachig und nicht länger als 10 Minuten sein. Das Thema war frei wählbar. Das Mitgeteilte sollte aber von gesellschaftlicher und persönlicher Bedeutung sein. Abgesehen davon wurden die Rednerinnen gebeten, das Komische im Ungehaltenen zu suchen bzw. das Ungehaltene im Komischen zu finden. Da es auch auf den Vortrag der Rede ankommt, mussten alle Reden als Video über die Plattform „ungehalten.net“ eingereicht werden. Einsendeschluss war der 31. Juli 2026.
Das Projekt ist im Jahr 2021 gestartet. Der ersten Ausschreibung folgten 119 Frauen, von denen sechs ins Kasseler Rathaus eingeladen wurden. Die Veranstaltung fand großes Interesse beim Publikum und in den Medien, sodass das Projekt seitdem jährlich neu aufgelegt wird. Der 10. Dezember ist zudem der Geburtstag der Schriftstellerin Christine Brückner (1921–1996), die mit ihren als Buch und auf der Bühne sehr erfolgreichen Monologen „Wenn du geredet hättest, Desdemona. Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen“ (1983) die Idee für dieses Projekt inspiriert hat.
Wer steckt dahinter?
Das Projekt wird von der Stiftung Brückner-Kühner und dem Verlag S. Fischer Theater und Medien veranstaltet. Es kooperieren das Archiv der deutschen Frauenbewegung, die Stadt Kassel und der Hessische Rundfunk (hr2-kultur). Die Projektleitung haben Friederike Emmerling, Maya Alou und Helen MacCormac.
Der Jury gehören an: Friederike Emmerling (S. Fischer Theater und Medien), Sonali Beher (Autorin), Gunilla Wolff (Ressortleiterin hr4), Maya Alou, Helen MacCormac (Stiftung Brückner-Kühner) und Mechthild von Lutzau (Ungehaltene Rednerin 2025).
Christine Brückner
Zu ihren Lebzeiten (1921-1996) gehörte die Schriftstellerin Christine Brückner zu den meist-gelesenen Autorinnen Deutschlands. Ihr umfangreiches Werk umfasst Romane, Erzählungen, Aufzeichnungen, Hörspiele und Theaterstücke. 1984 stiftete sie mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Otto Heinrich Kühner den „Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor“ und gründete die Stiftung Brückner-Kühner. Sie wurde vielfach ausgezeichnet und ist Ehrenbürgerin der Stadt Kassel.