Foto Gerhard Henschel

Foto: Gerhard Kromschröder

Gerhard Henschel erhält im Jahr 2023 den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor. Die von Stiftung Brückner-Kühner und Stadt Kassel vergebene Auszeichnung ehrt einen hervorragenden Autor der deutschsprachiger Hochkomik mit breitem Œuvre. Die Preisverleihung wird am 6. Mai 2023 im Kasseler Rathaus vorgenommen als Auftakt des Kasseler Komik-Kolloquiums. Die Laudatio hält Prof. Dr. Rainer Moritz, Leiter des Literaturhauses Hamburg.

Begründung des Stiftungsrates:

„Gerhard Henschel ist einer der vielseitigsten und produktivsten deutschsprachigen Autoren auf dem Feld der literarischen Hochkomik. Die enorme Bandbreite seiner Arbeiten reicht vom sprach- und literaturkritischen Essay bis zum Wandertagebuch, vom material- und perspektivreichen Sachbuch über Antisemitismus bis zur Regionalkrimiparodie, von der Kulturgeschichte der Missverständnisse bis zur Sammlung von Zungenbrechern. Mit seinem im Humor gründenden Hauptwerk, der autofiktionalen Martin-Schlosser-Romanserie, hat Gerhard Henschel eine alltags- und mentalitätsgeschichtliche Chronik der Bundesrepublik seit den 1960er Jahren vorgelegt, die bereits neun ziegeldicke Bände umfasst und auf die Gegenwart hin fortgeschrieben wird. Souverän bewegt er sich zwischen den Gattungen und Stilen und folgt dabei offenbar nur einer einzigen Grundregel: Leserin und Leser niemals zu langweilen, vielmehr stets einen komischen Mehrwert zu erzeugen.“

Über Gerhard Henschel

Geboren 1962 in Hannover, studierte Gerhard Henschel Germanistik, Soziologie und Philosophie in Bielefeld, Berlin und Köln und lebt als freier Schriftsteller in Bad Bevensen. Seine ersten Texte erschienen Ende der 1980er Jahre in den Zeitschriften in den Zeitschriften „Diabolo“, „Der Alltag“, „Kowalski“, dann auch in der „Titanic“, im „Merkur“, in „konkret“ und in zahlreichen Tages- und Wochenzeitungen. Von 1993 bis 1995 gehörte er der „Titanic“-Redaktion an. Seit 1992 erscheinen Romane, Erzählungen und kulturhistorische Sachbücher sowie Satiren, Polemiken und Grotesken. Mehrere seiner Bücher verfasste er gemeinsam mit Autoren im Umfeld der Neuen Frankfurter Schule, auch die Illustratoren seiner Bücher stehen in dieser Tradition. Von 1999 bis 2012 unterhielt Henschel gemeinsam mit Rayk Wieland in Hamburg die Veranstaltungsreihe „Toter Salon“.

Veröffentlichungen (kleine Auswahl):

  • Moselfahrten der Seele, Referate & Räuberpistolen. Weisser Stein, Greiz 1992.
  • Das Blöken der Lämmer. Die Linke und der Kitsch. Edition Tiamat, Berlin 1994.
  • Die gnadenlose Jagd. Ein Kriminalroman. Illustriert von F.W. Bernstein. Weisser Stein, Greiz 1994.
  • Der Barbier von Bebra. Roman. Mit Zeichnungen von Ernst Kahl. Edition Nautilus, Hamburg 1996 (zusammen mit Wiglaf Droste).
  • Kulturgeschichte der Mißverständnisse. Studien zum Geistesleben. Reclam, Stuttgart 1997 (zusammen mit Eckhard Henscheid und Brigitte Kronauer).
  • Bruno in tausend Nöten. Abenteuergeschichten. Mit Illustrationen von Wolfgang Herrndorf. Edition Nautilus, Hamburg 1998.
  • Erntedankfäscht. Haffmans, Zürich 1998 (zusammen mit Max Goldt).
  • Jahrhundert der Obszönität. Eine Bilanz. Alexander Fest Verlag, Berlin 2000 (zusammen mit Eckhard Henscheid).
  • Der Mullah von Bullerbü. Roman. Edition Nautilus, Hamburg 2000 (zusammen mit Wiglaf Droste).
  • Die Liebenden. Roman. Hoffmann und Campe, Hamburg 2002.
  • Die Springer-Bibel. Ein Panorama der Mediengeschichte. KVV konkret, Hamburg 2008.
  • Neidgeschrei. Antisemitismus und Sexualität. Hoffmann und Campe, Hamburg 2008.
  • Zungenbrecher. Hoffmann und Campe, Hamburg 2012.
  • Soko Heidefieber. Ein Überregional Krimi. Hoffmann und Campe, Hamburg 2020.
  • Soko Fußballfieber. Ein Überregional Krimi. Hoffmann und Campe, Hamburg 2021.

Seit 2004 neun Martin-Schlosser-Romane, zuletzt:

  • Arbeiterroman. Hoffmann und Campe, Hamburg 2017.
  • Erfolgsroman. Hoffmann und Campe, Hamburg 2018.
  • Schauerroman. Hoffmann und Campe, Hamburg 2021.